„Genial, berührend, unverkrampft…“
| Von | Wolfgang Stroebl (Österreich) - |
Die „Nachhut“ bilden in diesem Roman vier alte ehemalige SS-Männer, die nach 60 Jahren ihren unterirdischen Bunker verlassen und im modernen Deutschland des Jahres 2004 so ihre Probleme haben.
Der geniale Kunstgriff des Autors Hans Waal besteht darin, die Story aus drei verschiedenen Perspektiven erzählen zu lassen: ein Alt-Nazi namens Fritz schreibt Tagebuch, aber auch eine Beamtin einer antifaschistischen Sonderkommission und der junge Kameramann eines Privatsenders schildern ihre Sicht der Ereignisse. Dadurch verhindert der Autor jegliche Einseitigkeit in der Betrachtung dieses doch noch immer heiklen Themas.
Eine Wohltat, dass hier satirisch und locker geschrieben wird, was aber nicht heißt, dass die Geschichte oberflächlich oder schnoddrig angegangen wird. Im Gegenteil: es darf eine ausgewogene Diskussion stattfinden in dieser unterhaltsam geschilderten Story, die in den richtigen Momenten auch kurz innehält und berühren kann.
Ich muss gestehen, dass mir die Handlung einige Winkelzüge zuviel hatte und es auch 30,40 Seiten weniger hätten sein dürfen – aber dennoch: die Stilsicherheit des Autors und Journalisten Hans Waal ist beeindruckend. Eine originelle Geschichte unverkrampft und leicht erzählt und dennoch mit Niveau in Form und Inhalt – Chapeau !